allein


allein
all:
Das gemeingerm. Wort mhd., ahd. al, got. alls, engl. all, schwed. all gehört wahrscheinlich im Sinne von »ausgewachsen« zu der Wortgruppe von alt. Das zugrunde liegende germ. *alla- entstand demnach durch Angleichung von -ln- zu -ll- aus idg. *alnós »ausgewachsen, vollständig, gesamt«, einer alten Partizipialbildung zu der unter alt dargestellten idg. Wurzel *al- »wachsen«. – Schon seit mhd. Zeit wird »all« bei Voranstellung flexionslos gebraucht, beachte z. B. »all der Schmerz«, »mit all seiner Habe«. Seit dem 16. Jh. findet sich stattdessen auch ungebeugtes »alle«, das in »‹mit, von, aus usw.› alledem« bewahrt ist. Die in Nord- und Mitteldeutschland übliche Verwendung von »alle« im Sinne von »nicht mehr vorhanden, zu Ende« – wie in »alle sein, werden, machen« – beruht wahrscheinlich auf Ellipse, d. h., »alle sein« steht für »alle verbraucht, verzehrt oder dgl. sein«. – Abl.: All (17. Jh., als Ersatzwort für das Fremdwort Universum; beachte die verdeutlichende Zusammensetzung »Weltall«, 18. Jh.). Zus.: allein (mhd. alein‹e›, entsprechend niederl. alleen, engl. alone; vgl. 1 ein), dazu alleinig (17. Jh., zunächst oberd.); allenfalls (17. Jh., entstanden aus »‹auf› allen Fall« »für jeden möglichen Fall« mit adverbiellem -s, vgl. Fall fallen›); allerdings (16./17. Jh., mit adverbiellem -s, aus spätmhd. allerdinge »in jeder Hinsicht, gänzlich«, das aus mhd. aller dinge Genitiv Plural zusammengerückt ist, vgl. Ding; im Sinne von »zwar, freilich« ist »allerdings« seit dem 19. Jh. gebräuchlich); allerhand (16. Jh., zusammengerückt aus mhd. aller hande, Genitiv Plural »von allen Arten«, eigentlich »von allen Seiten«, vgl. Hand); Allerheiligen (eigentlich Genitiv Plural, gekürzt aus »aller Heiligen Tag«, mhd. aller heiligen tac für kirchenlat. omnium sanctorum dies »allen Heiligen gewidmetes Fest der röm.-kath. Kirche«); allerlei (zusammengerückt aus der genitivischen Verbindung mhd. aller lei‹e› »von aller Art«, vgl. ...lei; beachte dazu »Leipziger Allerlei« »Leipziger Mischgemüse«); Allerseelen »katholischer Totengedenktag am 2. November« (19. Jh., eigentlich Genitiv Plural; nach dem Muster von »Allerheiligen« gekürzt aus »aller Seelen Tag« für kirchenlat. ‹omnium› animarum dies); allgemein (mhd. algemeine ‹Adverb› »auf ganz gemeinsame Weise, insgesamt«; mit »all« verstärktes gemein in dessen alter Bed. »gemeinsam«); allmächtig (mhd. almehtec, ahd. al‹a›mahtig, Lehnübersetzung von lat. omnipotens), dazu Allmacht (17. Jh., rückgebildet aus frühnhd. allmächtigkeit, mhd. almehtecheit); allmählich (mhd. almechlich »langsam«; der zweite Bestandteil gehört zu gemach, vgl. mhd. algemechlīche Adv. »nach und nach« und älter nhd. allgemach »langsam«), Alltag (um 1800; junge Rückbildung aus Wörtern wie »Alltagskleid, Alltagsmensch«, in denen älteres »alle Tage, alletag« »täglich; gewöhnlich« steckt; zu »alletag« gehören auch alltäglich, 17. Jh., und alltags, 19. Jh.).

Das Herkunftswörterbuch . 2014.

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